Plädoyers für Mut, Mehrwert und Marshmallows

Montag, 28. Mai 2018, 19:01 Uhr
Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF), Prof. Michael Haller, Juliane Leopold, Dr. Andreas Siefke und Béla Anda.Moderator Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF), debattierte mit (v.l.n.r.) Prof. Michael Haller, Juliane Leopold, Dr. Andreas Siefke und Béla Anda über das aktuelle Verhältnis von Journalismus und Content Marketing. (Foto: Ruslan Hrushchak) Mit Studierenden, Absolventen, Dozenten, Partnern und Freunden hat die Leipzig School of Media (LSoM) am Sonnabend auf dem Mediencampus Villa Ida ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Höhepunkt des Tages war eine Podiumsdiskussion, bei der namhafte Experten über das Spannungsfeld zwischen Journalismus und Content Marketing debattierten.

In der Diskussion zeigten sich sehr verschiedene Sichtweisen auf das aktuelle Verhältnis von Auftragskommunikation und Journalismus. "Die Unterscheidung zwischen guter und schlechter Kommunikation, zwischen gutem Journalismus und böser PR, diese Unterteilung ist überholt", sagte der PR-Berater Béla Anda. Dass Journalisten auch auf die Seite der Unternehmenskommunikation wechseln, sei heute zum Glück akzeptierter als früher, erklärte Anda. "Niemand verbringt heute noch ein ganzes Berufsleben in einem Feld. Das hat oft auch mit der Motivation zu tun, neue Aufgaben lösen zu wollen". Anda selbst wechselte in seiner Karriere mehrfach die Positionen, arbeitete als Regierungssprecher, in der freien Wirtschaft und als Journalist.

Kontrolle bedingt Unabhängigkeit

Dieser offenen Haltung widersprach die Journalistin Juliane Leopold: "Es gibt eben doch einen Unterschied. Der Journalismus verfolgt mehr als nur sein eigenes Interesse. Er stützt die Demokratie, kontrolliert Wirtschaft und Politik, und zwar unabhängig." Diese Unabhängigkeit sei nicht zu gewährleisten, wenn man heute noch für die Regierung arbeite und im nächsten Moment über sie schreiben soll, argumentierte Leopold, die aktuell unter anderem die Tagesschau bei ihren digitalen Aktivitäten berät.

Content Marketing ist Nutzwertjournalismus

Bei Unternehmen, die mit journalistischen Methoden Inhalte erstellen, um auf sich aufmerksam zu machen, gäbe es solche Interessenskonflikte kaum, sagte hingegen Dr. Andreas Siefke, Vorsitzender des Content Marketing Forums. "90 Prozent der Inhalte, die unsere Branche erstellt, würden Journalisten als Nutzwertjournalismus bezeichnen", erklärte Siefke. Es gehe meist darum, Produkte oder Dienstleistungen zu erklären oder mit anderen Informationen einen Mehrwert zu bieten. "Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu den klassischen Medien."

Subtile Einflüsse der Public Relations

Der Einfluss der PR auf den Journalismus äußere sich heute oftmals versteckt, sagte andererseits der emeritierte Leipziger Journalistik-Professor Dr. Michael Haller: "Die journalistischen Meinungsführer stellen bestimmte Themen nur unter einer Perspektive dar. Journalisten merken das oft gar nicht, das ist ihr blinder Fleck." Als Beispiel nannte der Gründungsvater der LSoM die Berichterstattung über Flüchtlinge. "Wir haben das untersucht. Die Betroffenen selbst, die Sichtweisen der Geflüchteten oder der sozial Schwachen, kommen kaum vor – sondern oft nur die Perspektive der Politiker", erklärte Haller.

Mehr journalistischer Mut im Internet

Begonnen hatte die Geburtstagsfeier mit zwei Keynotes von Béla Anda und Juliane Leopold. Anda plädierte in seiner Rede für stärkere Anstrengungen gegen Fake News. Zu diesem Zweck müssten Journalisten noch präsenter in sozialen Netzwerken agieren. Leopold forderte Journalisten ebenfalls zu mehr Mut auf, vor allem bei Online-Angeboten: "Wir brauchen mehr gute Dinge in diesem Internet", sagte sie.

Vorträge von Absolventen

Vor der Podiumsdiskussion gaben Absolventen der LSoM-Masterstudiengänge ihr Wissen an die Gäste weiter. Christoph Hartmann erklärte den Zuhörern bei seinem Vortrag, wie die Deutsche Welle (DW) in einem Entwicklungslabor systematisch neue Projekte und Formate entwickelt. Marlies Wachmeier stellte sehr praxisnah die Methode des Design Thinking vor. So bastelten die Zuhörer bei ihrem Workshop zunächst gemeinsam einen Turm aus Spaghetti und Marshmallows.

Am Abend gab es schließlich auch noch etwas Richtiges zu essen. Die Jubiläumsfeier klang aus beim gemeinsamen Grillen im Innenhof des Mediencampus.

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Stellen der Leipzig School of Media gemeinnützige Gesellschaft für akademische Weiterbildung mbH (LSoM)

Leipzig School of Media gemeinnützige Gesellschaft für akademische Weiterbildung mbH (LSoM)

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Die Leipzig School of Media ist in Mitteldeutschland zu Hause und ist spezialisiert auf die berufliche Weiterbildung im Bereich Crossmedia. In vier Masterstudiengängen sowie in Kursen und Schulungen bildet die hundertprozentige Tochter der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig berufstätige Arbeitnehmer und Medienschaffende aus Agenturen, Redaktionen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen berufsbegleitend weiter. Spezialthemen sind Corporate Media, Mobile Marketing und Crossmedia Management. Die Angebote werden in Kooperation mit der Universität Leipzig und der HTWK Leipzig organisiert.