Design Thinking: strukturiert zur Innovation

Mittwoch, 14. August 2019, 09:17 Uhr

Unabhängig davon, ob mit einem Design Thinking-Prozess klassische Designprobleme gelöst, Innovationsprozesse eingeleitet oder Organisationsentwicklungsmaßnahmen durchgeführt werden sollen, beinhaltet er ein relativ konstantes Set an Überlegungen und Arbeitsschritten. Alle Ansätze verstehen sich weniger als strikte Abfolge getrennter Arbeitsschritte sondern beschreiben vielmehr ein Konzept ineinander übergehender Phasen eines Gesamtprozesses[1], der von regelmäßigen Iterationen, Neuorientierungsphasen und Lernvorgängen aus alten Fehlern geprägt ist.

 

Entdecken: Empathie aufbauen und Nutzer verstehen

Um für die Probleme der Nutzergruppen sinnvolle Innovationen zu schaffen, müssen Sie sie kennen und sich in ihr Leben einfinden.

In der Empathie-Phase des Design Thinkings geht es darum, die Nutzer zu beobachten und ihnen zuzuhören. Dadurch erhalten Sie Hinweise auf Gedanken und Gefühle. Ihre Beobachtungen geben Ihnen die Richtung für die Entwicklung einer innovativen Lösung vor.

Mitunter gibt es Abweichungen zwischen dem, was Menschen sagen und dem, was sie tatsächlich tun. Diese Abweichungen zu erkennen liefert wertvolle Erkenntnisse für den weiteren Innovationsprozess. Auch die Beobachtung der verschiedenen Behelfslösung, die Nutzer entwickelt haben, können überraschende Einsichten liefern. Den Nutzern sind diese Workarounds oft gar nicht mehr bewusst, sodass sie diese in einem Interview nicht erwähnen. In der Empathie-Phase geht es darum, den Menschen Geschichten zu entlocken und das „Warum?“ zu erfragen.

 

Synthese: Einsichten und Erkenntnisse verdichten

Die gesammelten Erkenntnisse und Einsichten aus der Empathie-Phase werden nun mit dem Team geteilt zusammengeführt. Aus den Dingen, die Sie von den Nutzern gehört und bei ihnen beobachtet haben, müssen Sie Schlussfolgerungen für den weiteren Designprozess ableiten. In der Synthese-Phase entsteht der Point of View für Ihr Projekt. Dieser definiert die Herausforderung, die Sie mit Ihrem Team angehen wollen und die auf ihrem gemeinsamen Verständnis für die Nutzer und deren Probleme beruht. Die Eingrenzung des Problemraums und die Fokussierung auf eine konkrete Problemstellung führen tendenziell zu qualitativ hochwertigeren Lösungen. Ziel der Informationssynthese ist Zusammenhänge und Muster aufzudecken.

 

Ideenfindung: kreative Lösungen entwickeln

Nach dem Sie die spezifische, sinnvolle Herausforderung definiert haben, konzentrieren Sie sich nun auf die Generierung von Lösungsideen. Bei der Ideenfindung zählt Quantität vor Qualität. Rationaler Verstand und Fantasie müssen hier zusammenarbeiten. Kreativitätstechniken wie Brainstorming, die 6-3-5-Methode, Bodystorming, SCAMPER oder der Morphologische Kasten unterstützen Ihr Team dabei kreative Lösungen zu entwickeln. Bauen Sie auf den Ideen anderer auf und entwickeln Sie sie weiter. In jedem Fall gilt: Ideen sollten nicht kritisiert oder korrigiert werden, um auch ungewöhnliche Ideen zuzulassen, und so das Lösungsfeld zu erweitern. Die Ermittlung der besten Lösung erfolgt später durch Benutzertests und das Einholen von Nutzerfeedback.

 

Experimentieren: abstrakte Ideen (be-)greifbar machen

Der Übergang zwischen der Ideenfindung und dem Prototyping ist fließend. Der Bau eines physischen Prototypen kann eine sinnvolle Unterstützung für die Ideenfindung sein. Hierbei kommen Sie immer wieder an einen Punkt, an dem Sie Entscheidungen treffen müssen, was wiederum Ansatzpunkte für neue Ideen liefert.

In der Prototypenphase baut das Team iterativ Prototypen, die dazu dienen Fragen zu beantworten und sich so Schritt für Schritt der endgültigen Lösung nähern. Am Anfang eines Projektes sind die Fragestellungen oft breit gefächert. In dieser Phase sollten Prototypen möglichst schnell und kostengünstig herzustellen sein.

Ein Prototyp kann aus allem bestehen, womit ein Benutzer interagieren kann: Bauklötze, Skizzen, Möbelstücke – einfach allem, was Sie umgibt und was Ihnen gerade nützlich erscheint. Schaffen Sie für den Benutzer eine physische Umgebung, in der er interagieren kann. Dadurch werden realistische Emotionen und Reaktionen auf Ihren Prototypen wahrscheinlicher.

 

Evaluieren: Ideen testen und verbessern

Waren Ihre Fragestellungen in der Empathie-Phase noch erkundender Art, so sind sie jetzt konkret und fokussiert. Sie haben einige Zeit in die Gestaltung von Prototypen investiert, um die Probleme Ihrer Nutzer zu lösen. Nun geht es nicht nur darum, ob die Nutzer Ihre Lösung mögen, sondern vor allem um das „Warum“. Im Idealfall testen Sie Ihre Prototypen im Arbeitsumfeld Ihrer Nutzer. Aus dem realen Nutzungskontext ergeben sich unerwartete Nutzungssituationen. Die Testphase bietet Ihnen die Chance, Ihre Lösungen zu verfeinern und zu verbessern. Gerade wenn ein erster Prototyp scheitert, bietet sich Ihnen die Möglichkeit zu fragen: Warum ist das passiert? Lagen wir mit unseren Annahmen über die Nutzer richtig? An welchem Punkt haben wir etwas übersehen und warum? Die Antworten auf diese Fragen bieten viel Potenzial, am Ende des Design Thinking-Prozesses eine wahrhaftig innovative Lösung zu finden.

 

[1] Brown, T. & Wyatt, J. (2010). Design thinking for social innovation. Stanford Social Innovation Review, Winter, 30–5. Abgerufen am 15.07.2019, von https://ssir.org/articles/entry/design_thinking_for_social_innovation.

 

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