Wie technologische Trends die IT-Organisation verändern werden.

Montag, 13. September 2021, 11:55 Uhr

Artikel-Serie „Die IT-Organisation der Zukunft“

Warum die Grenzen Ihrer IT-Organisation ins Wanken geraten, und warum Sie diese Grenzen neu überdenken sollten, welche Einflussfaktoren es auf die IT-Organisation gibt, und welche Auswirkungen diese Einflussfaktoren auf die IT-Organisation und damit auf die Grenzen der selbigen haben, erläutern unsere Experten in der Artikel-Serie „No Border Control – Die IT-Organisation der Zukunft kennt keine Grenzen“:

Thomas Veichtlbauer ist Senior Consultant bei mgm consulting partners austria in Salzburg und war in den letzten 10 Jahren überwiegend im Finanz- und Bankenbereich tätig. Seine Expertise im Projekt- und Prozessmanagement sowie Leidenschaft für IT-Systeme vereint er in der Leitung von IT-Projekten und der Optimierung von IT-Systemen. Weil er aber auch besonders gerne schreibt, ist er Mitgründer des Blogs projektmanege.com und teilt in kurzweiligen und unterhaltsamen Artikel sein Fachwissen.

 

Artikel 2: Wie technologische Trends die IT-Organisation verändern werden

Die Optimierung von Geschäftsprozessen und Produkten ist seit jeher eine der Kernaufgaben einer funktionierenden IT-Organisation. IT-Mitarbeiter*innen haben oftmals ausgezeichnete Kenntnisse über diese. Das hat sich mit der voranschreitenden  Digitalisierung nicht geändert – im Gegenteil! Mit zunehmender Komplexität und den Erfordernissen einer vermeintlichen Simplifizierung von Vorgängen, wird es immer wichtiger, dass IT-Mitarbeiter*innen neue technologische Trends und ihr Optimierungspotenzial erkennen, und in die Gesamtorganisation einbringen. Doch welche technologischen Trends haben unmittelbaren Einfluss auf die IT-Organisation und ihre Grenzen? Dieser Artikel gibt einen kleinen Überblick.

Welche technologischen Trends sind aktuell am Vormarsch?

Eine schnelle Recherche hebt mannigfaltige Whitepaper und Unterlagen zu Tech-Trends hervor. Verdichtet man die Informationen, kristallisieren sich folgende fünf Trends quellenübergreifend heraus:

Cloud

Unter der Prämisse, IT-Kosten zu senken und gleichzeitig Innovationen voranzutreiben, sind Cloud-Technologien weiterhin auf dem Vormarsch. Vor allem Cloud-Plattformen für IT-Infrastruktur und Applikationsentwicklung sind ein probates Mittel, um mit der Veränderungsgeschwindigkeit mitzuhalten und gleichzeitig für hohe Kostentransparenz zu sorgen. Edge Computing, also dezentrale Datenverarbeitung am „Rand“ des Netzwerkes und an dem Ort, wo die Daten tatsächlich entstehen oder erhoben werden, wird aufgrund der Performance und Gründen der Reaktionszeiten deutlich zunehmen.

KI/AI Engineering, Bots und RPA

Die Verwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) hatte lange einen gewissen Science-Fiction- Beigeschmack. Spätestens durch die ersten Einsatzgebiete in der Bilderkennung und der Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP) hat sich dies geändert. Zudem werden kognitive Netzwerke und dialogorientierte KI im E-Commerce angewandt und ausgebaut. Außerdem gilt KI als einer der großen Treiber für die Automatisierung von Geschäftsprozessen, beispielsweise via Low-Code / No-Code Plattformen, Bots und RPA. Wobei Bots selbst per Low-Code/No-Code immer einfacher erstellt werden können. Low-Code/No-Code ermöglichen es Fachexpert*innen im Business, ohne Programmierkenntnisse, Business-Logiken schnell und zugleich im Rahmen der IT-Governance umzusetzen (Citizen Developer). Bots und RPA führen vorhersehbare, sich wiederholende Tätigkeiten schneller aus – die mit KI kombinierte RPA wird diese Prozessautomation in neue Sphären führen.

Low-Code und No-Code

Die fortschreitende Automatisierung und Robotic macht auch vor dem Programmieren von Software nicht halt. War vor vielen Jahren noch das (Out-) Sourcen von Entwicklungsleistung in Länder mit niedrigen Löhnen die vorrangige Lösung, um den (monetären) Entwicklungsaufwand zu reduzieren, so drängten in den 2000ern schon erste Codegeneratoren auf Basis der Model Driven Developments auf den Markt, um mittels Automatisierung den Aufwand „vor Ort“ zu reduzieren. Dieser Trend hat sich verstärkt, so dass mittlerweile Low-Code und No-Code-Plattformen den Aufwand der Programmierung noch weiter reduzieren und immer weiter auf dem Vormarsch sind. Ob diese Plattformen den Markt des Low-Cost Country Sourcings im Software Development komplett zum Erliegen bringen werden (wie von einzelnen Analysten vorhergesagt), darf jedoch bezweifelt werden, da die Fähigkeiten und Talente in diesen Ländern nicht ungenutzt bleiben.

Tech is Business, Tech drives Business, “tech-driven organisation”

Tech is Business: Technologien treiben immer stärker das Geschäft, um Effizienzpotentiale zu heben, Kunden individueller anzusprechen, datengetriebene Services anzubieten, usw. Die fortschreitende Digitalisierung lässt dabei die Unterscheidung zwischen Geschäftsprozess und Informationstechnologie zunehmend hinderlich wirken, um die Potentiale für das Business schnell zu heben. Gleichzeitig drängen Technologieanbieter in das Geschäft, die aus der Technologie heraus in Märkte drängen. So werden Geschäftsmodelle auf Basis vorhandener Technologien entwickelt, statt Technologien zu entwickeln, die das Business effizienter gestalten sollen: „Tech drives Business“ und die Organisation wird zu einer „tech-driven Organisation“.

Digital Workplace und mobiles Arbeiten

Immer mehr Beschäftigte verleihen ihrem Wunsch nach einem flexiblen Arbeitsplatz Nachdruck – nicht zuletzt, da sich die notwendige Arbeitsplatzausstattung allem Anschein nach auf Smartphone und Notebook reduziert hat. Der Trend des Digital Workplace mitsamt kollaborativen Home-Office-Möglichkeiten wird sich auch nach der COVID-Krise fortsetzen. Was heißt das nun für die IT-Organisation? Hier sind sechs Thesen dazu, wie es zukünftig in Ihrer IT-Abteilung aussehen könnte:

KI wird die Karrierewege und Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter optimieren

Vor dem Internet-Zeitalter war das Erlangen von Wissen nur durch Lektüre, Wissenstransfer durch Kolleg*innen und Vor-Ort-Schulungen möglich. Danach und auch heute noch boomen Online-Kurse, Online-Communities zu facheinschlägigen Themen und interaktiven Workshops mit oder in Kooperation mit spezialisierten Trainingsanbietern (z.B. Blended Learning).

Nun zeichnet sich eine nächste Evolutionsstufe ab: die KI-unterstützten Karriere- und Fortbildungsplanung. Chat-Bots, die auf Weiterbildungsplattformen Fragen von Teilnehmer*innen beantworten, sind nur der Anfang. Künftig könnte KI auf diesen Portalen noch viel weitergehen: Sie kann während des Lernprozesses durch das Sammeln von Daten und komplexe Algorithmen Lernbedarf erkennen und individuelle Lernpfade erstellen. Aus einem relativ einfach Chat-Bot, könnte so auch zum persönlichen Tutor und Lern-Buddy werden. Das Potenzial ist offensichtlich: Effizienz, Individualität, Verfügbarkeit. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels und Budgetknappheit, macht es Sinn das bestehende Team so effizient und individuell angepasst wie möglich aus- und weiterzubilden. Einzige Hindernisse: Der Mangel an Kenntnissen über KI in der Organisation und die meisten Lernplattformen sind noch nicht intelligent genug.

Businessexpert*innen werden zu Softwareentwickler*innen – ohne zu programmieren

Mehrere Jahrzehnte lang hatten Unternehmen zwei Alternativen, wenn sie neue Informationssysteme benötigten. Sie konnten ein neues System mit ihren eigenen Entwickler*innen aufbauen oder ein System von einem externen Anbieter kaufen. Heute gibt es jedoch eine dritte Option die immer beliebter wird: Low-Code/No-Code Anwendungen. Mit Point-and-Click- oder Pull-Down-Menü-Schnittstellen können die Benutzer*innen ihre individuellen oder abteilungsspezifischen Systeme in der Regel in wenigen Stunden, mit wenigen bis gar keinen Programmierkenntnissen, entwerfen und umsetzen. Sie lassen sich eng an die Geschäftsanforderungen anpassen, schnell implementieren und kosten in der Regel viel weniger als intern entwickelte Systeme.

Diese Anwendungen erreichen die Vorteile, indem Sie den Businessexpert*innen den Entwicklungsprozess überlassen. Die robotergestützte Prozessautomatisierung (RPA) ist zum Beispiel eine der am schnellsten wachsenden Kategorien dieser Systemarten. Mithilfe von Regeln für eine einfache Entscheidungsfindung können Benutzer*innen automatisierte Arbeitsabläufe entwerfen, die in mehrere Informationssysteme hineinreichen können.

Die IT-Organisation von morgen ist dezentral

Großrechner waren komplexe und umfangreiche Computersysteme. In der Blüte ihrer Zeit war die Notwendigkeit gegeben, die Gerätschaften vor Ort zu betreuen und Rechenzeiten aus Kostengründen akribisch zu verwalten. Das Arbeiten am Ort des Geschehens galt als Selbstverständlichkeit, da zu dieser Zeit mangels technischer Möglichkeiten das Arbeiten anderorts praktisch gar nicht möglich war. Mit dem Aufkommen der weltweiten Vernetzung durch Webtechnologien wurde auch hier eine neue Evolutionsstufe eingeleitet. Spezialist*innen konnten zur Problemlösung plötzlich remote und oftmals sehr kurzfristig herangezogen werden. Zudem konnten Software-Wartungsarbeiten an Randzeiten von IT-Mitarbeitenden in den eigenen vier Wänden – oder sonst wo auf der Welt – durchgeführt werden. Werfen wir heute einen Blick zurück, in den Herbst 2019 etwa, kann man sich nicht erklären, warum sich Remote Work, Mobile Work und weitere Arbeitsmodelle, nicht schon viel früher durchgesetzt haben. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch und bei der Vielzahl von absolvierten virtuellen Meetings erscheint es dieser Tage in vielen Branchen selbstverständlich, wenn Mitarbeiter*innen flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte in Anspruch nehmen.

„Die IT-Organisation von morgen kennt keine Landesgrenzen, vor allem dann nicht, wenn Spezialist*innen vor Ort nicht verfügbar sind.“ Thomas Veichtlbauer, Senior Consultant mgm

Die Vorteile dieser Entwicklung liegen aus unternehmerischer Sicht auf der Hand. Fachkräfte und Spezialist*innen können über Landesgrenzen hinweg rekrutiert werden und temporären Auslastungsspitzen kann durch die Konsultierung von Beratungsdienstleistungen begegnet werden.

IT-Organisation und Business-Organisation verschmelzen zur Tech-Organisation

Die fortschreitende Digitalisierung lässt die Unterscheidung zwischen Geschäftsprozess und Informationstechnologie zunehmend hinderlich wirken, um die Potentiale für das Business schnell zu heben. Diesem Tempo werden sich die Unternehmen nur durch Verschmelzung der ehemals getrennten Organisationen stellen können. Dies kann auf mehreren Wegen geschehen: Von Kooperationen oder Bildung einzelner interdisziplinärer Teams, über Ausgestaltung von produktorientierten Organisationen oder Netzwerkorganisationen bis zur Ausgründung von Digital-Companies.

Virtuelle Desktops reduzieren die hauseigene Hardware auf ein Minimum

Es gibt vieles, was für „bring your own device“ (BYOD) spricht. Mitarbeiter*innen sind in der Regel produktiver, wenn sie vertrauteGeräte verwenden und genießen damit ein individuelles Erlebnis, das ihre Zufriedenheit erhöht. Außerdem kann der/die Arbeitgeber*in dadurch Geld sparen – vor allem durch die Senkung der Kosten für die Beschaffung von Geräten und der IT-Verwaltung. Die Verwendung von mitarbeitereigenen Geräten hat allerdings nicht zuletzt aufgrund von hohen Sicherheitsrisiken wenig Freunde. Um diesen Sicherheitsrisiken zu begegnen, bietet die Technologie Virtual Desktop Infrastructure (VDI) eine gute Möglichkeit, die Unternehmensdaten zu schützen und gleichzeitig Mitarbeitenden Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort und Endgeräten zu gewähren. VDI ermöglicht einen unkomplizierten, hochsicheren und flexiblen Remote-Zugriff auf zentrale Unternehmensressourcen. Die Technologie ist die logische Konsequenz von weiterentwickelten Server- und Speichervirtualisierungen und simuliert den kompletten PC-Desktop im Rechenzentrum.

Die Auswirkungen der Technologie auf die IT-Organisation ergeben sich auf den ersten Blick nur indirekt, wie beispielsweise in der Clientsupport-Belastung (weniger Hardwaresupport-Issues für den Servicedesk, einfachere Vereinheitlichung von Standardsoftware etc.). Bei näherer Betrachtung und auch im Hinblick auf eine dezentrale IT-Organisation, ergeben sich aus den schon genannten Vorteilen auch hinsichtlich der IT-Security Chancen, denn alle Unternehmensdaten bleiben am virtuellen Desktop.

Hybrid Cloud-Lösungen werden die eierlegende Wollmilchsau

On-Premise und in der Cloud wirken wie ein nicht zu überwindender Gegensatz. Mit Hybrid Cloud-Ansätzen versucht man das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Der Begriff bezieht sich auf gemischte Infrastrukturelemente (Computing, Storage, Serviceumgebung), die aus einer On-Premise, Private Cloud und Public Cloud kombiniert und orchestriert werden. Kurz gesagt: Hybrid Clouds vereinen die Vorteile von Public und Private Clouds und nutzen die vorhandene Architektur in einem lokalen Rechenzentrum.

Wer in eine Hybrid Cloud migriert, sollte jedoch nicht nur auf Security und Kosten achten, sondern vor allem auch Unternehmenskultur und Mitarbeiter-Skills im Auge behalten. Durch die Technologie ändern sich im Bereich von IT-Infrastruktur oder Operations viele bestehende Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten für Mitarbeitende.

Die sechs Thesen im kurzen Realitäts-Check:

Ein Unternehmen, das vor einer Hybrid Cloud-Migration steht, oder diese plant, könnte im gleichen Zuge mittels einer virtuellen Desktop-Infrastruktur den Sicherheitsstandard erhöhen und gleichzeitig Spezialist*innen geographisch unabhängig in einer dezentralen IT-Organisation werben und mit einem KI basiertem Coaching-Ansatz die fachliche Ausbildung und Karrieremöglichkeiten der Mitarbeiter*innen sicherstellen. Abgerundet wird das Bild durch Businessexpert*innen, die sich mittels Low-Code und No-Code Plattformen dem Berufsbild eines IT-Business Analyst*innen nähern und damit die Anforderungskoordinatoren entlasten. Gleichzeitig sitzen ehemalige IT und Business-Mitarbeiter*innen in interdisziplinären Teams in einer Organisation zusammen, um mit dieser Hybrid-Cloud-Technologie die existierenden Geschäftsprozesse weiter zu automatisieren und parallel dazu neue technologie-basierte Geschäftsmodelle für eine tech-driven Organisation zu entwickeln.

Wie weit sind Sie davon entfernt? Und: wie kommen Sie da hin? Sprechen Sie mit uns! Rufen Sie mich an oder mailen Sie mir unter: info@mgm-cp.com oder treffen Sie mich am 27. und 28.09.2021 auf der Rethink!IT 2021 in Berlin. Gerne laden wir Sie dazu ein, mit uns zu diskutieren. Dort sprechen wir mit CIOs und anderen Entscheider*inn in der IT- und Unternehmenswelt über die „IT-Organisation der Zukunft“.

 

 


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